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Geschichte und Kultur

Das 1 x 1 der bajanischen Kultur

Das 1 x 1 der bajanischen Kultur
MRZ 02,2016 @ 08:04

Wir auf Barbados sind ungemein stolz auf unsere Lebensart, die auf unsere afrikanischen und britischen Wurzeln zurückgeht.  Dieses Vermächtnis feiern wir Tag für Tag in der Art und Weise, wie wir denken, sprechen und das Leben genießen.  Auch die markanten Aromen unserer Küche, die Farbenvielfalt unserer Communitys und die sprudelnde Lebendigkeit unserer Kultur – eingelegt in reichlich Folklore und serviert mit einzigartiger afrokaribischer Musik – tragen alle zu dem bei, was wir zelebrieren.  

Die Tuk Band: Die Barbados Tuk Band ist ein faszinierendes musikalisches Ensemble, das Tuk oder Rukatuk spielt und aus der Notwendigkeit und Kreativität der afrikanischen Sklaven auf der Insel heraus entstand.  Die britischen Sklavenhalter auf Barbados erließen im späten 17. Jahrhundert ein Gesetz, das den Sklaven das Trommelspiel verbot. Die Befürchtung war, dass sie ihre Trommeln verwenden würden, um über mehrere Plantagen hinweg heimliche Botschaften auszutauschen und so Revolten anzuzetteln.  Darauf stand die Todesstrafe. Die Sklaven fanden andere Kommunikationswege, und derweil etablierte sich die Tuk Band als „akzeptable“ musikalische Alternative. Dabei spielten die Sklaven ihre Instrumente so, dass sie ähnlich klangen wie die britischen Fife and Drum Corps (Trommeln und Pfeifen). Verwendet wurden eine doppelköpfige Basstrommel, eine Wirbeltrommel und eine Blechflöte, welche die traditionelle Geige ersetzte, als das Gesangselement aus der Darbietung verschwand. 

Tuk Bands sind live auf Feiern und Inselfestivals zu erleben, z. B. dem Crop Over oder Holetown Festival, zu Weihnachten und Neujahr. Eine Tuk Band wird normalerweise von kostümierten Charakteren afrikanischen Ursprungs begleitet, die auf die Zeit der Sklaverei und unsere koloniale Vergangenheit zurückgehen: Mother Sally, Shaggy Bear, Donkey Man und Stiltman. Diese Figuren sind unverkennbare Wahrzeichen unseres historischen Vermächtnisses.  

Mother Sally oder auch „Muddah Sally“ steht für Fruchtbarkeit. Die Figur wurde traditionell von einem Mann dargestellt, der seine Identität hinter einer Maske verbarg. Mother Sally vollführt beim Tanz mit der Tuk Band Bewegungen, die ihren großen Busen und ihre ausladenden Hüften und Pobacken betonen sollen.  Diese Körperteile wurden früher aus Bananenblättern, Kissen oder ausgestopften Säcken geformt.   Heutzutage wird der Charakter von einer Frau gespielt, die zwar keine Maske mehr trägt, aber genauso gut ausgepolstert ist, um die Wirkung ihrer rhythmischen Windungen und Beckenbewegungen zu steigern. 

The Shaggy Bear: The Shaggy Bear, der zottige Bär, soll einen afrikanischen Hexendoktor verkörpern.  Er ist auch als Bank Holiday Bear bekannt, weil er häufig an offiziellen Feiertagen (bank holidays) zu sehen ist. Der Shaggy Bear ist immer männlich.  Er ist schlank und fit, und seine akrobatischen Vorführungen sollen die Zuschauer ebenso erschrecken wie beeindrucken. Das Kostüm mit Maske wurde ursprünglich aus Reben, Bananenblättern und anderen pflanzlichen Materialien gefertigt. Heute besteht es aus farbigen Stoffstreifen, ähnlich wie ein Lumpenteppich, und verbirgt die Identität des Darstellers. 

The Donkey Man feiert die Rolle des Esels für die Zuckerrohrernte in einer Zeit, in der von Tieren gezogene Karren wichtige Beförderungsmittel auf Barbados waren. Die Figur des Donkey Man könnte auch als Hinweis auf die Verbreitung des Esels auf Barbados zwischen dem 17. und der Mitte des 20. Jahrhunderts aufgefasst werden. Der Darsteller steckt in einem Eselskostüm und gibt vor, ein ausgelassenes, fast unkontrollierbares Tier zu reiten. 

The Stiltman: Der Stiltman (Stelzenmann) steht auf Barbados für das Überleben in harten Zeiten und ist eine Verkörperung des Mr. Hardin, einer Figur, die schwierige wirtschaftliche Bedingungen symbolisiert. Der Stiltman tritt häufig als Begleiter der Tuk Bands bei festlichen Anlässen auf. Das Kostüm ahmte früher den Kleidungsstil von Herren der höheren barbadischen Gesellschaft nach. Eine Maske, die an einen europäischen Gentleman erinnerte, ergänzte das Outfit und verbarg die Identität des Trägers. Masken werden heutzutage selten getragen, und die Kleidung des Stiltman ist leuchtend, farbenfroh und eindeutig karibisch.

     
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